Komplette Timeline

Die vollständige Chronologie der Ereignisse.

1. April 2026

Kein Aprilscherz: AfD fragt nach weiteren Buchhandlungen – Bundesinnenministerium antwortet bewusst vage

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, warnt: Weimer habe mit dem Einsatz des Haber-Verfahrens „die Büchse der Pandora geöffnet". Wie die FR berichtet, hat die AfD-Bundestagsfraktion ebreits eine Kleine Anfrage an das Bundesinnenministerium gestellt. Sie will wissen, ob „verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse" über vier weitere preisgekrönte Buchhandlungen vorliegen, darunter BiBaBuZe (Düsseldorf) und die Karl-Marx-Buchhandlung (Frankfurt). Das Bundesinnenministerium antwortet, die Buchhandlungen würden derzeit nicht im Verfassungsschutzbericht erwähnt, fügt aber hinzu, eine „weiterführende Auskunft" könne „aus Gründen des Staatswohls" nicht erfolgen. AfD-Abgeordneter Götz Frömming nutzt genau diesen Hinweis, um zu suggerieren, auch diese Buchhandlungen seien „offenbar ein Fall für den Verfassungsschutz". Zimmermann sagte weiter, die Kleine Anfrage der AfD sei die „logische, falsche Fortsetzung" von Weimers Entscheidung, das Haber-Verfahren beim Deutschen Buchhandlungspreis einzusetzen, und zeige, wohin das Instrument führt, wenn es erst einmal angewendet wird. [Frankfurter Rundschau, 1. April 2026]
31. März 2026

bbk berlin fordert sofortigen Rücktritt Weimers

Der Berufsverband Bildender Künstler:innen Berlin (bbk berlin) verurteilt die Eingriffe Weimers in unabhängige Kulturförderverfahren aufs Schärfste, und fordert seinen sofortigen Rücktritt. In einem öffentlichen Statement benennt der Verband die politische Doppelmoral: Während die Regierung von Demokratie spreche, würden Programme wie „Demokratie leben!" faktisch ausgehöhlt, Fördergelder kämen zu spät oder gar nicht, und über 200 zentrale Demokratieprojekte stünden auf der Kippe. Der bbk berlin stellt klar: „Kunstfreiheit heißt: keine politische Kontrolle, keine ideologische Filterung, keine Einschüchterung." [Statement bbk berlin, 31. März 2026]
28. März 2026

Deutschlandfunk: „Klima der Angst und Selbstzensur" in der Kulturszene

Der Deutschlandfunk berichtet über einen neuen, strukturellen Effekt von Weimers Vorgehen: In der gesamten Kulturszene verbreitet sich ein Klima der Verunsicherung und Selbstzensur. Viele Institutionen fürchten um Fördergelder und erwägen, bestimmte Projekte erst gar nicht einzureichen. DLF-Chefreporter Stefan Koldehoff berichtet von einem Filmemacher, der einen politischen Film ursprünglich geplant hatte, nun aber zweifelt, ob er die nötige Förderung bekäme. Olaf Zimmermann (Deutscher Kulturrat) bestätigt: „Natürlich gibt es jetzt Angst, selbst unter Leitern der ganz großen Kultureinrichtungen." Hamburger Kultursenator Brosda (SPD) warnt: Sobald die Sorge wachse, dass der Staat inhaltlich in Kulturfragen eingreife, überlegten sich Kulturschaffende, was sie tun müssten, damit ihr materielles Auskommen gesichert bleibe. Vor der Selbstzensur braucht nicht mehr gewarnt zu werden, sie findet bereits statt. [Deutschlandfunk, 28. März 2026]
27. März 2026

Acht Bundesländer stellen sich gegen das Haber-Verfahren

Am Rande der Kulturministerkonferenz bekräftigen die Kulturminister:innen und -senator:innen von Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Saarland gemeinsam: Eine Überprüfung von Juryentscheidungen durch den Verfassungsschutz ist kein geeignetes Mittel der Kunstförderung. Die Länder sprechen sich für transparente künstlerische Qualitätskriterien und unabhängige Jurys aus und stellen klar, dass die staatliche Kulturverwaltung keinen inhaltlichen Einfluss auf Förderentscheidungen nehmen soll. Bremens Bürgermeister und Kultursenator Andreas Bovenschulte bringt es auf den Punkt: „Es ist ein schmaler Grat zwischen Meinungsfreiheit und Zensur. Der Schutz der Kunstfreiheit ist ein verfassungsrechtliches hohes Gut, welches es entschieden zu schützen gilt." Die Stellungnahme ist die bislang deutlichste politische Reaktion der Länderebene auf Weimers Vorgehen beim Deutschen Buchhandlungspreis.
27. März 2026

Weimer greift erneut in Jury-Entscheidung ein: Hauptstadtkulturfonds

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass Vertreter des BKM beim Hauptstadtkulturfonds eine bereits von der unabhängigen Jury ausgewählte Förderung zurückgestellt haben — ein Übersetzungsprojekt palästinensischer Autoren mit 30.000 Euro Fördervolumen. Die Jury des Hauptstadtkulturfonds reagiert mit einem öffentlichen Statement gegen „jede politische Einmischung in die Arbeit unabhängiger Fachjurys". Hinzu kommt: Laut Spiegel lässt Weimer die Mitglieder sämtlicher Kulturjurys systematisch in Listen erfassen — angeblich nur zur Übersicht, was in der Kulturszene für erhebliche Verunsicherung sorgt. Bundestagskulturausschuss-Vorsitzender Sven Lehmann (Grüne) wirft Weimer vor, den „Grundsatz der Staatsferne" zu untergraben, der „für die Kulturförderung in einer Demokratie überlebenswichtig" sei.
25. März 2026

Merz stellt sich im Bundestag hinter Weimer

Bei der Regierungsbefragung im Bundestag erklärt Kanzler Friedrich Merz öffentlich: „Wolfram Weimer hat mein Vertrauen." Der Kanzler, der Weimer persönlich ins Amt berufen hat, hält damit trotz wochenlanger bundesweiter Empörung, juristischer Klagen und scharfer Kritik aus der Kulturszene an seinem Kulturstaatsminister fest. Gleichzeitig schränkt Merz ein: Wer meine, weitere Buchhandlungen sollten ausgeschlossen werden, habe sich „gründlich missverstanden." Die Botschaft ist doppeldeutig: Merz deckt Weimer — gibt aber zu erkennen, dass er eine Ausweitung der Streichungspraxis nicht will. Eine Distanzierung von der bereits getroffenen Entscheidung oder eine Aufforderung zur Transparenz gegenüber den betroffenen Buchhandlungen enthält das Statement nicht.
25. März 2026

Auch beim Polyton: Weimer sagt angekündigte Rede kurzfristig ab

Beim Musikpreis Polyton in Berlin lässt sich Weimer noch auf dem roten Teppich fotografieren — doch seine angekündigte Rede sagt er kurzfristig ab. Der Rolling Stone kommentiert es als weitere Leerstelle eines merkwürdigen Abends. Nach den Buhrufen bei der Buchmesseneröffnung in Leipzig wenige Tage zuvor fügt sich der Vorfall in ein Muster: Der Kulturstaatsminister zeigt Präsenz, weicht aber der öffentlichen Konfrontation aus.
24. März 2026

Eilantrag gegen Weimer gestellt

Nach Weimers Äußerung über „politische Extremisten“ im Zusammenhang mit dem Deutschen Buchhandlungspreis hat der Buchladen Zur schwankenden Weltkugel einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Berlin gestellt. Zuvor hatte Weimer sich geweigert, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Die Anwält:innen der betroffenen Buchhandlungen sprechen von einer weiteren Eskalation des Falls. Gleichzeitig wächst auch der politische Druck weiter: Die Petition für Weimers Rücktritt hat inzwischen mehr als 130.000 Unterschriften erreicht.
24. März 2026

Dobrindt stoppt bereits zugesagte Förderung für Demokratieprojekt „Radikale Töchter", ohne Begründung

Die Gruppe „Radikale Töchter" hatte seit Frühjahr 2025 eine vorläufige Förderzusage der Bundeszentrale für politische Bildung für ihr Projekt „Mut-Muskel-Training", 287.000 Euro, angelegt bis Ende 2026, inhaltlich positiv bewertet, ein erster Workshop bereits abgehalten. Im Januar 2026 stoppt das Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt die Förderung per Erlass, ohne jede Begründung. Die Bundeszentrale für politische Bildung reagiert mit einem internen Brandbrief: Es liege „kein rechtlich tragfähiger Grund für eine Ablehnung" vor, ein Verstoß gegen das Willkürverbot drohe. Der Verdacht liegt nahe: Geschäftsführerin Cesy Leonard hatte im Oktober 2025 eine Petition gegen Friedrich Merz gestartet, die über 250.000 Menschen unterzeichneten. Das Innenministerium äußert sich bis heute nicht zu den Gründen des Förderstopps. Der Fall zeigt: Die politisch motivierte Streichung bereits zugesagter Förderung ist kein Einzelfall Weimer, sie hat Methode und soll laut dem Willen Dobrindts sogar noch ausgeweitet werden. [taz, Konrad Litschko, 24. März 2026]
März 2026

Weimers Ministerium lässt Jury-Listen aller Kulturpreise erstellen

Laut einem Spiegel-Bericht lässt Weimers Ministerium die Mitglieder aller Jurys staatlich geförderter Kulturpreise systematisch in Listen erfassen. Offiziell begründet eine Sprecherin dies damit, man wolle sich „einen Überblick" verschaffen. In der Kulturszene löst das erhebliche Verunsicherung aus: Die Sorge, die Daten könnten für weitere Verfassungsschutz-Abfragen genutzt werden, liegt angesichts des Buchhandlungsstreits nahe. Die taz kommentiert, dem Minister werde klar gewesen sein, dass dieser Schritt öffentlich werden würde.
24. März 2026

Weimer verweigert Unterlassungserklärung — Eilantrag beim Verwaltungsgericht Berlin gestellt

Nachdem Weimer die Frist zur Abgabe der Unterlassungserklärung verstreichen lässt, stellt Rechtsanwalt Dr. Jasper Prigge am Abend des 23. März beim Verwaltungsgericht Berlin einen Eilantrag: Dem BKM soll verboten werden, den Buchladen Zur schwankenden Weltkugel und seine Betreiberinnen öffentlich als „politische Extremistinnen" zu bezeichnen. Weimers Reaktion über eine Hamburger Anwaltskanzlei ist dreifach: Die Aussage habe keinen Bezug zu den Betreiberinnen, weil er keine Namen genannt habe. Er sei im Interview auch „als Privatperson" aufgetreten und berufe sich auf das Recht zur freien Meinungsäußerung. Und „höchst hilfsweise" beanspruche er, sich auf einen hinreichenden Tatsachenkern gestützt zu haben. Prigge kommentiert: „Weimer gibt ein großes Interview zum Ausschluss dreier Buchläden vom Buchhandlungspreis und sagt, weil er keine Namen genannt hat, weiß auch keiner, um wen es geht. Man gewinnt den Eindruck, Herrn Weimer fehle es an dem nötigen Respekt für die betroffenen Buchhändlerinnen und die Öffentlichkeit, denn er hält sie offenbar für blöd." Anwalt Sven Adam ergänzt: „Wer sich als Minister damit verteidigen lassen muss, dieses Interview ‚hilfsweise' privat gegeben zu haben, muss sich nicht wundern, wenn bereits nach einer Woche eine Petition, die seinen Rücktritt fordert, mehr als 130.000 Mal unterzeichnet wurde."
23. März 2026

Buchenwald-Verbände fordern Weimer auf, dem Gedenken fernzubleiben

Die Lagerarbeitsgemeinschaft und die Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora — Zusammenschlüsse von Angehörigen politischer Häftlinge — richten in einem offenen Brief eine ungewöhnliche Forderung an Weimer: Er solle auf sein geplantes Grußwort bei der Gedenkveranstaltung zum 81. Jahrestag der Befreiung am 12. April verzichten. Die Verbände verknüpfen ihre Kritik ausdrücklich mit dem Buchhandlungsstreit: „Wir sind überzeugt davon, unsere Angehörigen hätten auch zum Kundenkreis der drei Buchläden gehören können. Bei Verhaftungen durch die Gestapo wurde bei ihnen nachweislich linke Literatur beschlagnahmt."
20. März 2026

Übermedien deckt auf: INSA-Umfrage wurde über Weimer-nahe Beraterfirma lanciert

Die „Bild"-Zeitung und „The European", ein Magazin aus der Weimer Media Group, veröffentlichen einen Tag vor der Veröffentlichung von Weimers ZEIT-Interiew eine INSA-Umfrage. laut der 63 Prozent der Deutschen dafür sind, eine Buchhandlung mit dem Schriftzug „Deutschland verrecke bitte" vom staatlich finanzierten Buchhandlungspreis auszuschließen. Übermedien recherchiert: Auftraggeber war zwar nicht, wie von Journalist:innen vermutet, „The European", sondern die Berliner Beratungsfirma Valere. Deren Inhaber Richard Schütze ist seit Jahrzehnten mit Weimer vernetzt. Die Frage war suggestiv formuliert und reduzierte die gesamte Debatte kontextlos auf einen Fassadenspruch, den das Bundesverfassungsgericht vor über 25 Jahren als Kunst eingestuft hat. Bemerkenswert: Nur „Bild" und „The European" berichten über die Umfrage, und beide nennen den Auftraggeber nicht, entgegen der journalistischen Pflicht laut Pressekodex. [Übermedien, Boris Rosenkranz, März 2026]
20. März 2026

VUT: Keine intransparenten Prüfverfahren in der Kulturförderung

Der Verband unabhängiger Musikunternehmer:innen (VUT) schließt sich der Kritik am Haber-Verfahren an und zieht die Debatte damit über den Buchhandel hinaus. Weimer habe angekündigt, das Verfahren künftig generell bei Preisvergaben einzusetzen — eine Aussicht, die auch die Musikbranche unmittelbar betreffe. Der VUT fordert, dass staatliche Kulturförderung transparenten, klar definierten und öffentlich zugänglichen Kriterien folge: „Die staatliche Gesinnungsprüfung vorab kann keine Lösung sein." Eine behördliche Vorprüfung ohne Wissen der Betroffenen schaffe ein „Klima der Verunsicherung" — und das ausgerechnet in einem Bereich, der unter dem besonderen Schutz der Kunstfreiheit stehe.
19. März 2026

„Extremisten": Buchhandlung mahnt Weimer ab — Frist bis 23. März

Weimers Aussage im ZEIT-Interview vom Vortag, bei den drei Buchhandlungen handele es sich um „politische Extremisten", hat unmittelbar juristische Folgen: Die Buchhandlung Zur schwankenden Weltkugel mahnt den BKM ab und fordert eine strafbewehrte Unterlassungserklärung. Kommt die Behörde der Forderung nicht bis zum 23. März nach, droht eine einstweilige Anordnung beim Verwaltungsgericht Berlin. Rechtsanwalt Dr. Prigge macht klar: Weimer könne sich „nicht weiter hinter einem angeblichen Geheimschutz verstecken" — er müsste vor Gericht darlegen, was konkret gegen die Buchläden vorliegt. Parallel stellen alle drei Buchhandlungen einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz: Sie fordern Zugang zu sämtlichem behördeninternen Schriftverkehr rund um den Buchhandlungspreis — Vermerke, Protokolle, Gesprächsnotizen inklusive. Anwalt Sven Adam fasst die Botschaft zusammen: „Diese Intransparenz und die Verwendung nichtssagender Begriffe wie ‚Fachbeamter' oder ‚etwas Ernsthaftes' sollte endlich aufhören."
19. März 2026

Dath nimmt Alfred-Kerr-Preis im Golden-Shop-Shirt entgegen

Der Kritiker und Schriftsteller Dietmar Dath erhält auf der Leipziger Buchmesse den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik — und erscheint am Rednerpult im T-Shirt des Golden Shop: ein stilles, aber unmissverständliches Solidaritätszeichen mit den drei ausgeschlossenen Buchhandlungen. In seiner Dankesrede mahnt er, dass Buchhandlungen und Literaturhäuser zu jenen Einrichtungen gehören, für die gilt: „Wenn sie weg sind, dann sind sie weg, und dann ist es zu spät, zu begreifen, dass man sie weit mehr braucht, als der Markt anzeigt." Derzeit stünden genau solche Einrichtungen unter „großem ökonomischem und teils politischem Druck" — eine Spitze, die angesichts des Saals und des Kontexts kaum zu überhören ist.
19. März 2026

„Schwamm drüber gilt nicht": Börsenverein stellt Weimer nach Buhrufen zur Rede

Im FAZ-Interview nach der Buchmesseneröffnung lässt Börsenverein-Vorsteher Sebastian Guggolz kein gutes Haar an Weimers Auftritt: Nichts sei geklärt, nichts gelöst — und dem versöhnlichen „Schwamm drüber"-Appell von Sachsens Ministerpräsident Kretschmer erteilt er eine klare Absage. Besonders scharf greift Guggolz Weimers Rhetorik an: Indem der Kulturstaatsminister die drei Buchhandlungen ohne jede argumentative Grundlage als „Verfassungsfeinde" und „Staatsfeinde" bezeichne, diskreditiere er auch den Börsenverein selbst — dessen Mitglieder alle drei Läden sind. Guggolz äußert den Verdacht, Weimer könnte die konkreten Verfassungsschutzerkenntnisse deshalb nicht veröffentlichen, weil sie so dünn seien, dass seine gesamte Argumentation bröckeln würde: „Wenn da wirklich gravierende Sachen drin wären, hätte er das schon längst veröffentlicht." Der Börsenverein besteht weiterhin auf der Rücknahme des Ausschlusses — unabhängig von allen Gesprächen über eine Neugestaltung des Preises.
18. März 2026

ZEIT-Interview: Weimer räumt ein, die VS-Erkenntnisse selbst nicht zu kennen

Im großen ZEIT-Interview verteidigt Weimer seinen Eingriff in den Deutschen Buchhandlungspreis, und liefert dabei das schärfste Argument gegen sich selbst: Auf die Frage, was der Verfassungsschutz konkret mitgeteilt habe, antwortet er: „Das darf uns der Verfassungsschutz nicht im Detail sagen." Er hat also eine Entscheidung gegen drei Buchhandlungen getroffen, auf Basis von Informationen, die er selbst nicht kennt und nicht prüfen kann. Auf den Vorwurf der Lüge, die Ablehnungsschreiben behaupteten, die Jury habe die Buchläden nicht ausgewählt, antwortet Weimer, es habe sich um eine „Standardabsage per E-Mail" gehandelt, die er selbst nicht gesehen habe. Das ZEIT-Interview ist das erste ausführliche öffentliche Statement Weimers zum Buchhandlungsstreit, und wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. [DIE ZEIT, 18. März 2026]
18. März 2026

Eröffnung der Leipziger Buchmesse: Protest und Buhrufe

Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz" ruft zu einer Protestkundgebung auf dem Augustusplatz auf. Mehrere hundert Demonstrierende versammeln sich vor dem Gewandhaus. Als Weimer ans Rednerpult tritt, sind Buhrufe aus dem Publikum zu vernehmen. In seiner Rede verteidigt er die Entscheidung und erklärt, Freiheit und Förderung seien „zwei ganz unterschiedliche Dinge".
19. März 2026

Podiumsdiskussion zur Meinungsfreiheit in der Deutschen Nationalbibliothek

Weimer nimmt in der Deutschen Nationalbibliothek an einer Podiumsdiskussion zur Meinungsfreiheit teil — ausgerechnet zum Thema, das die gesamte Kontroverse der vergangenen Wochen prägt. Der Hanser Verlag lädt parallel alle ursprünglich nominierten Buchhandlungen zu einer alternativen Feier auf der Leipziger Buchmesse ein; der Börsenverein veranstaltet einen eigenen Empfang an seinem Messestand.
18. März 2026

Netzwerk Autorenrechte veröffentlicht Stellungnahme

Das Netzwerk Autorenrechte hält eine transparente und umfassende Aufklärung des Vorgangs für notwendig und stellt die Frage, ob BKM Weimer seinem Auftrag als Kunst- und Kulturförderer noch gerecht wird. Die Stellungnahme wird von mehreren Autorenverbänden mitgetragen, darunter dem Bundeskongress Kinderbuch und dem Bundesverband junger Autorinnen und Autoren.
14. März 2026

Petition zum Rücktritt Weimers erreicht 10.000 Unterschriften

Die Petition „Kultur braucht Freiheit, Freiheit braucht Kultur: Rücktritt Weimer jetzt!“ erreicht 10.000 Unterschriften. Damit wächst der öffentliche Druck auf Kulturstaatsminister Wolfram Weimer weiter. Die Petition ist Teil der breiten Proteste gegen den Ausschluss der drei Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis und gegen den zunehmenden politischen Einfluss auf die staatliche Kulturförderung. Sie macht deutlich, dass der Fall längst nicht mehr nur drei Buchläden betrifft, sondern die Freiheit und Unabhängigkeit der Kultur insgesamt. Zur Petition

12. März 2026

Aus dem Angriff auf drei Buchläden wird ein Angriff auf die ganze Kultur

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die Überprüfung der drei Buchhandlungen durch das Bundesamt für Verfassungsschutz Teil eines größeren Plans ist. Demnach soll die von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer praktizierte Prüfpraxis auf andere Ministerien und Bundesbehörden ausgeweitet werden. Das Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt will den Geheimdienst demnach künftig häufiger einschalten, wenn NGOs und Vereine Fördermittel beantragen. Damit geht es längst nicht mehr nur um die drei Buchläden Golden Shop, Rote Straße und Zur schwankenden Weltkugel, sondern um Freiheit von Kunst und Kultur. Um Buchhandlungen, Verlage, Theater, Festivals, Museen und Künstler:innen insgesamt. Der Fall zeigt, wohin die Entwicklung führen soll: staatliche Förderung künftig nur noch für jene, die politisch nicht anecken
11. März

Neue Vorwürfe und Klagen gegen Weimer

Die Anwält:innen der drei ausgeschlossenen Buchhandlungen werfen dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) in einer Pressemitteilung vor, die Buchhandlungen über die Gründe ihres Ausschlusses getäuscht zu haben. In einer Absage-Mail vom 10. Februar war erklärt worden, die unabhängige Jury habe die Buchhandlungen nicht für eine Auszeichnung ausgewählt. Die Jury hatte jedoch am 9. März öffentlich klargestellt, dass der Ausschluss außerhalb ihres Einflussbereichs erfolgt sei. Außerdem wird bekannt, dass zwei der drei Buchhandlungen sogar für einen Sonderpreis vorgesehen waren. Inzwischen sind Klagen gegen den BKM und das Bundesamt für Verfassungsschutz anhängig. Auch die Unterstützungsaktion „Lesen Hilft!“ zur Unterstützung der Buchhandlungen läuft weiter.
11. März

„Lesen hilft!“ fordert Weimers Rücktritt

Nach den neuen Enthüllungen im Streit um den Deutschen Buchhandlungspreis fordert die Kampagne „Lesen hilft!“ in einer Pressemitteilung den Rücktritt von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Sie spricht von einer kulturpolitischen Krise, nachdem drei Buchhandlungen ausgeschlossen, die Preisverleihung abgesagt und die betroffenen Buchhandlungen nach Angaben ihrer Anwält:innen über die tatsächlichen Entscheidungen getäuscht worden seien. Zugleich erhöht die Kampagne ihr symbolisches Spendenziel auf 37.000 Euro, nachdem bekannt wurde, dass Golden Shop (Bremen) und Rote Straße (Göttingen) ursprünglich als „besonders herausragende Buchhandlungen“ mit jeweils 15.000 Euro ausgezeichnet werden sollten. Außerdem gehen die Website „ist-weimer-noch-im-amt.de“ und eine Petition online, die Weimers Rücktritt fordert.

10. März 2026

Preisverleihung des Deutschen Buchhandlungspreises abgesagt

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sagt die geplante Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises auf der Leipziger Buchmesse ab. Hintergrund sind vermehrte Nachfragen und scharfe Kritik am Ausschluss der drei Buchhandlungen Golden Shop (Bremen), Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin) von vielen Seiten. Die Kontroverse habe den Sinn der Veranstaltung „zunehmend überlagert“, heißt es aus dem Umfeld des Ministers. Die Preisgelder sollen nun auf anderem Weg übergeben werden. Zum Artikel bei ZEIT Online
9. März 2026

SZ: Verfassungsrechtler Möllers erklärt das Haber-Verfahren für rechtlich hochproblematisch

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht eine ausführliche Rechtseinschätzung von Verfassungsrechtler Christoph Möllers (Humboldt-Universität). Sein Befund: Das Haber-Verfahren hat wahrscheinlich keine ausreichende gesetzliche Grundlage. Das Bundesverfassungsschutzgesetz schreibt vor, dass die Weitergabe von Geheimdienstinformationen an andere Behörden nur in ausdrücklich aufgezählten Fällen zulässig ist, die Prämierung von Kulturbuchhandlungen gehört nicht dazu. Möllers erinnert daran, dass sowohl der Bundesdatenschutzbeauftragte (2019) als auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags (2020) bereits Zweifel am Verfahren geäußert haben, ohne dass die Bundesregierung ihre Praxis geändert hätte. Auch der Vorsteher des Börsenvereins, Sebastian Guggolz, spricht sich im selben SZ-Schwerpunkt klar aus: „Wir halten diese Art der Gesinnungsprüfung für vollkommen inakzeptabel." [SZ, 9. März 2026]
9. März 2026

Jury des Buchhandlungspreises stellt sich hinter die drei Buchläden

Die Jury des Deutschen Buchhandlungspreises erklärt öffentlich, dass der Ausschluss der drei Buchhandlungen außerhalb ihres Einflussbereichs erfolgt sei. In ihrer Stellungnahme betont sie, dass Buchhandlungen als „Orte der Meinungsbildung und der gelebten Meinungsfreiheit“ eine zentrale Rolle für eine lebendige demokratische Kultur spielen.
7. März 2026:

Start des Crowdfundings „Lesen Hilft!“

Unterstützer:innen starten das Crowdfunding „Lesen Hilft!“, um die drei Buchhandlungen beim Rechtsstreit und ihrer öffentlichen Arbeit zu unterstützen. Die Kampagne sammelt Spenden und organisiert Veranstaltungen, Lesungen und Diskussionen. Zum Crowdfunding der Kampagne „Lesen Hilft!“
März 2026

Bundesweite Medienberichte und Kritik

Der Ausschluss sorgt für eine breite öffentliche Debatte über Kulturpolitik, Meinungsfreiheit und staatlichen Einfluss auf Kulturförderung. Zahlreiche Medien berichten über den Fall, darunter Der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung, die taz und der Deutschlandfunk. In der Buchbranche entsteht eine intensive Diskussion über die Zukunft unabhängiger Buchhandlungen in Deutschland.
5. März 2026

Rechtliche Schritte angekündigt

Die betroffenen Buchhandlungen kündigen rechtliche Schritte gegen die Entscheidung des BKM an. Sie fordern Transparenz über die Gründe des Ausschlusses und die Wiederherstellung ihrer Nominierung für den Deutschen Buchhandlungspreis.
Februar 2026

Streichung von der Preisträgerliste

Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) streicht die drei Buchhandlungen überraschend von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandlungspreis. Eine transparente Begründung für den Ausschluss wird zunächst nicht öffentlich gemacht. Die Entscheidung löst in der Buchbranche und der Kulturszene große Irritation aus.
August / September 2025

Bewerbung für den Deutschen Buchhandlungspreis

Die drei Buchhandlungen – Golden Shop (Bremen), Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin) – bewerben sich wie viele andere inhaber:innengeführte Buchhandlungen für den Deutschen Buchhandlungspreis. Der Preis würdigt Buchhandlungen, die sich besonders für Literaturvermittlung, kulturelle Vielfalt und unabhängige Buchkultur engagieren.

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