„Weimer muss zurücktreten“
Kampagne „Lesen hilft!“ fordert Rücktritt von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer
Bremen, 11. März 2026 – Nach neuen Erkenntnissen im Zusammenhang mit dem Deutschen Buchhandlungspreis fordert die Kampagne „Lesen hilft!“ den sofortigen Rücktritt von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Der Ausschluss von drei
unabhängigen Buchhandlungen, die öffentliche Distanzierung der Jury, die Absage der Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse und nun der Vorwurf, die betroffenen Buchhandlungen über die tatsächlichen Entscheidungen bewusst getäuscht zu haben, haben eine kulturpolitische Krise ausgelöst, so dass nach Ansicht der Kampagne Weimer im Amt nicht mehr tragbar ist.
Im Zentrum der Kontroverse steht die Entscheidung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), die Buchhandlungen Golden Shop (Bremen), Rote Straße (Göttingen) und Zur schwankenden Weltkugel (Berlin) von der Liste der Preisträger:innen für den Deutschen Buchhandlungspreis zu streichen. Medienberichten zufolge wurden Bewerbungen zuvor auf Initiative des Ministeriums durch den Verfassungsschutz überprüft. Ein ungewöhnlicher und stark umstrittener Vorgang.
Besonders brisant: Die drei Buchhandlungen erhielten am 10. Februar 2026 eine Email des BKM. Darin hieß es, sie seien von der unabhängigen Jury nicht für eine Auszeichnung ausgewählt worden. Die Jury des Deutschen Buchhandlungspreises hat inzwischen öffentlich klargestellt, dass der Ausschluss außerhalb ihres Einflussbereichs erfolgt sei. Die drei Buchhandlungen waren sehr wohl als Preisträgerinnen vorgesehen. Zwei von ihnen, Golden
Shop und Rote Straße, sollten demnach sogar als „besonders herausragende Buchhandlungen“ ausgezeichnet werden.
„Der Deutsche Buchhandlungspreis sollte unabhängige Buchkultur stärken. Stattdessen ist er zum Symbol politischer Einflussnahme geworden“, sagt Alex Neumann, Sprecher:in der Kampagne „Lesen hilft!“.
„Erst missachtet Kulturstaatsminister Weimer ein Votum der Jury und dann belügt er auch noch die betroffenen Buchhandlungen!“, so Neumann weiter. „Weimer hat jedes Vertrauen verspielt. Mit einem solchen Verhalten beschmutzt er das Amt und ist nicht länger tragbar!“
„In der Kultur- und Medienpolitik des Bundes ist kein Platz für rechte Kulturkämpfe. Kulturförderung darf nicht zur politischen Gesinnungsprüfung von Buchhandlungen werden – denn was heute Buchläden trifft, kann morgen Theater, Verlage, Festivals, Bands oder Museen treffen.“
Nach Ansicht der Kampagne hat der Umgang mit dem Preis das Vertrauen in die staatliche Kulturförderung massiv beschädigt. Kulturpolitik müsse Vielfalt schützen, nicht darüber entscheiden, welche Stimmen politisch erwünscht sind und welche nicht.
„Unabhängige Buchhandlungen sind Orte demokratischer Öffentlichkeit“, so Neumann weiter. „Die Freiheit der Kultur beginnt dort, wo der Staat aufhört, kulturelle Orte nach politischer Haltung zu bewerten.“
„Der ganze Vorgang zeigt, wie schnell Kulturpolitik zum Schauplatz eines Kulturkampfs werden kann – und warum der Staat eine solche politisch motivierte Einmischung zu unterlassen hat.“, so Neumann.
Die Kampagne fordert deshalb einen sofortigen personellen Neuanfang im Amt des Kulturstaatsministers beziehungsweise der Kulturstaatsminister:in.
„Der Ausschluss der drei Buchläden, die Distanzierung der Jury, die abgesagte Preisverleihung und die neuen Erkenntnisse über den Umgang des BKM mit den betroffenen Buchhandlungen zeigen: Diese Krise ist nicht nur politisch verursacht, sie ist durch da Verhalten des Ministers weiter verschärft worden. Wolfram Weimer muss die Verantwortung dafür jetzt übernehmen und zurücktreten.“
Über den konkreten Fall hinaus stehen auch Fragen zur Amtsführung des Kulturstaatsministers im Raum. Kritiker:innen verweisen auf mögliche Interessenkonflikte aufgrund publizistischer und wirtschaftlicher Tätigkeiten. Für die Kampagne steht jedoch der aktuelle Konflikt im Mittelpunkt: der Versuch, kulturpolitische Förderinstrumente politisch zu kontrollieren.
Inzwischen sind Klagen gegen den BKM und das Bundesamt für Verfassungsschutz vor den Verwaltungsgerichten Berlin und Köln anhängig. Aus Sicht der Kampagne unterstreicht auch dies die politische Tragweite des Vorgangs. Es geht längst nicht mehr nur um drei Buchhandlungen, sondern um die Frage, ob staatliche Kulturförderung zu einem Instrument politischer Einflussnahme werden darf – mit allen einschüchternden Folgen für Buchhandlungen, Verlage, Festivals, Theater, Museen und andere kulturelle Orte.
Die Kampagne „Lesen hilft!“ unterstützt die drei betroffenen Buchhandlungen und sammelt Spenden, um ihre rechtlichen Schritte zu finanzieren und unabhängige Buchkultur zu stärken.
Weitere Informationen:
https://lesen-hilft.org
Crowdfunding für die Unterstützung der Kampagne und der drei Buchläden:
https://goodcrowd.org/lesen-hilft
Sachstand:
https://ist-weimer-noch-im-amt.de
Petition zu Rücktritt Weimers:
https://weact.campact.de/petitions/kultur-braucht-freiheit-freiheit-braucht-kultur-weimer-muss-weg
Kontakt:
Email: presse@lesen-hilft.org